Um die alte Schule rankt sich eine neue Geschichte

Heimatforscher Walter Baum packt seinen Roman in die Zeit der Bubenheimer Volksschule von 1848 – Lesung findet am 23. Oktober statt

In seinem Debütroman mit dem Titel „Dorfschule – Von Steinen und Menschen“ begibt sich der Bubenheimer Heimatforscher Walter Baum auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 1848. Während damals im Deutschen Bund die Märzrevolution tobt, entsteht im beschaulichen Bubenheim der Bau einer Schule. Architekt ist der königliche Bauinspektor Johann Claudius von Lassaulx. Das ist die Grundlage für eine interessante Geschichte.

In Sachen Schule hat der vom Ortsbeirat beauftragte Autor einige Erfahrung. So hat er unter anderem bereits in Stolzenfels, Dieblich und Winningen ein Projekt wie dieses realisiert. Baum beschreibt in seinem Werk den Entstehungsprozess des Gebäudes, den er in eine fiktive Handlung einbettet. Da ist zum Beispiel der junge Maurer Aloys Bubenheim, der Gefühle für die kluge Livia Krämer hegt. Weitere Protagonisten sind unter anderen Dorfschmied Carolus Saal und Müller Johannes Zils.

Für sein Erstlingswerk hat Baum gründliche Nachforschungen angestellt. Besonders hilfreich war ihm dabei die Bubenheimer Schulchronik, die über die amtliche Aufzeichnung hinaus auch amüsante Anekdoten liefert. So wurde der erste Lehrer, der seit 1842 in einem angemieteten Saal rund 40 Kinder unterrichtete, nach nur zwei Jahren Amtszeit entlassen, da er wohl zu regelmäßig die Wirtshäuser aufgesucht hatte. „Neben der Schulchronik beruht mein Roman auf historischen Akten und überlieferten Dorfgeschichten“, erklärt Baum.
Momentan ist die zukünftige Nutzung des Gebäudes Thema im Stadtteil. Derzeit erfüllt es nahezu alle Voraussetzungen für einen „Lost Place“. Befinden sich im Parterre zwar das Ortsvorsteherbüro und ein kleiner Besprechungsraum, so wird der Weg in die oberen Stockwerke zu einer Reise in die Vergangenheit. So zieren an einer Stelle originale Fliesen den Fußboden, während andernorts Reste einer historischen Tapete die Wände bekleiden. Seine ursprüngliche Funktion als Lernanstalt hatte der quadratische Grauwackebau bereits im Jahr 1960 verloren. Seit Jahrzehnten schon besucht der Bubenheimer Nachwuchs die Grundschule in Rübenach. Autor Baum reagiert ungeachtet der Nachbarschaftshilfe mit einer Batterie von Seitenhieben, die das Niveau der Neckerei indessen nicht überschreiten. Vielmehr ist es die typische Hassliebe zweier Nachbarorte, die hier zum Ausdruck gebracht wird.

Baum, der als Schreinermeister und Lehrer für Holztechnik, Religion und Bildende Kunst im Ruhestand selbst zu einer der Romanfiguren taugte, kann seine langjährige Erfahrung in diesen Berufsfeldern mit Gewinn einbringen. „Als Schreinermeister schaue ich auf historische Gebäude mit dem geschulten Auge des Handwerkers“, erklärt er. Dabei interessieren ihn die verwendeten Materialien, die Konstruktion und die Spuren, die frühere Generationen in Holz, Stein und Mörtel hinterlassen haben. Besonders aufmerksam wird er bei Formen und Proportionen. Anregungen dafür findet Baum in der Natur, so in den Ästen eines Baumes, den Linien eines Blattes oder dem Aufbau einer Blüte. „Dort zeigt sich, wie aus vielen einzelnen Teilen ein stimmiges Ganzes entsteht“, betont Baum. Deshalb fragt er bei einem Gebäude nicht allein, ob es seinen Zweck erfüllt. Ihn interessiert ebenso, wie harmonisch es sich in seine Umgebung einfügt und welche Ausstrahlung über den praktischen Nutzen hinaus von ihm ausgeht. Mit seinem Roman möchte Baum auch dem Werk von Johann Claudius von Lassaulx die Aufmerksamkeit beimessen, die es verdient.

Als jemand, der 1958 das Licht der Welt erblickte, hätte Baum den Bubenheimer Schulbetrieb als Zweijähriger noch sehen können – tatsächlich stammt er aus Niederberg. „Erst die Liebe hat mich 1985 nach Bubenheim verschlagen“, verrät Baum. Neben seiner Frau habe der Ort selbst sofort eine große Anziehungskraft auf ihn ausgeübt.
Am Freitag, 23. Oktober, 18 Uhr, stellt Walter Baum seinen etwa 300 Seiten umfassenden Roman in einer Autorenlesung in der Gaststätte „Zum letzten Bauernwirt“, Weißenthurmer Straße 6 in Bubenheim, vor – gleich gegenüber der alten Schule.

Alexander Thieme-Garmann Rhein Zeitung 16.10.2026