Bubenheimer Brunnenmadonna kehrte zurück

Kleinod wurde nach 30 Jahren liebevoll restauriert.

„Die Madonna war zwei Monate in Quarantäne, aber nicht wegen der Pandemie, sondern weil sie wieder in alter Schönheit erstrahlen sollte.“ So umschrieb Pfarrer Herbert Lucas die Rückkehr der einzigen Brunnenmadonna des Bistums Trier an ihren angestammten Platz in der kleinen Marienkapelle hinter der St. Maternusstraße. Rund vierzig Gottesdienstbesucher waren dabei, als die Skulptur in einer kleinen Prozession aus der Kirche in die kleine Kapelle getragen wurde. Die Gemeinde stimmte vor der Kapelle zaghaft in ein Marienlied an, etwas Besonderes, wenn man fast zwei Jahre nicht mehr singen durfte. Der Segen war nicht nur für die Madonna und die Mitfeiernden, sondern für alle, die in Zukunft diesen Ort besuchen und ihre Anliegen, Bitten oder auch ihren Dank bekunden wollen.

Die Figur wurde am 26. Mai 1991, also genau vor dreißig Jahren durch die Initiative von Heinz Kassung und Werner Wiemers zusammen mit der neu geschaffenen Brunnenkapelle eingeweiht. Der Entwurf der Figur sowie die künstlerische Gestaltung der Kapelle mit ihren bunten bleiverglasten Fenstern stammt aus der Feder und den Pinseln von dem Bubenheimer Künstler Heinz Kassung.

Walter Baum beschrieb in einer Ansprache die Skulptur: Die Madonna wurde von dem Bildhauer und Schnitzer Ludwig Stöckbauer aus Hohenau im Bayerischen Wald geschnitzt und gefasst. Wenn man sie betrachtet wirkt sie bei weitem nicht so schlank wie der Entwurf Kassungs. Sie hat eher eine gedrungenere fast barocke Gestalt, also eine Frau, wie sie in der Kunst schon seit Jahrhunderten als mütterlich dargestellt wurde. Die Mutter Gottes und das Christuskind wenden sich beide den Betrachtern zu, ohne sie direkt anzuschauen. doch ihre gegenseitige Nähe überträgt sich interessanterweise schon spürbar: Das Kind auf Marias Arm stützt einen Fuß auf eine Falte ihres prachtvollen Gewands und greift mit beiden Händen zu dem köstlichen Wasser. Dabei spürt man das Urvertrauen der Beiden ganz deutlich. Der Entwurf des Bubenheimer Künstlers Heinz Kassung, die Intention der Darstellung steht ganz klar im Vordergrund, der persönliche Anteil des Schnitzers Ludwig Stöckbauers ist aber ebenso deutlich zu erkennen und gibt der Wirkung der Skulptur keinen Abbruch.

Fachgerechte und liebevolle Restaurierung

Allen klimatischen Unbillen wie Kälte, Wärme, Feuchtigkeit und Kerzenruß ausgesetzt, hatte die Brunnenmadonna einiges an ihrer Ursprünglichkeit verloren. Nach drei Jahrzehnten bester Pflege durch die Bubenheimerinnen Maria Becker und Christa Steiert, die beide in aufopferungsvoller Weise für Sauberkeit, immer frischen Blumenschmuck und brennende Kerzen sorgten, musste die Statue in den letzten beiden Monaten zur Kur in die Werkstatt der Bubenheimer Restauratorin Katrin Etringer. In sehr vielen Stunden hat sie den Glanz der Brunnenmadonna wieder hergestellt, die Farbe und die Poliment-Vergoldung war an etlichen Stellen verschwunden. Die Restaurierung von Katrin Etringer ist ein Geschenk für Bubenheim, dem Ort in dem sie mit ihrer Familie lebt und arbeitet. Pfarrer Herbert Lucas und Walter Baum sprachen der Restauratorin bei der kleinen Feier im Namen von ganz Bubenheim ihren ganz besonderen Dank für diese überaus großzügige Spende und herausragende Arbeit aus.

Dank an Akteure

Der Innenraum der Kapelle selbst war durch die vergangenen dreißig Jahre Jahre und den Ruß der Kerzen auch arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Mike Karen und sein Team haben auf Ihre Kosten die Renovierung übernommen. Durch diese Arbeiten, die mit viel Sachverstand und fachgerecht ausgeführt wurden, hat die Madonna wieder einen würdigen Standort. In Zukunft wird die Pflege von drei Bubenheimer Frauen übernommen, die sich monatlich die Arbeit teilen: Brigitte Schlemmer, Ursula Hermann und Rita Schwab haben sich bereit erklärt, sich um dieses Kleinod zu kümmern. In den letzten drei Dekaden hatten das in aufopferungsvoller Weise Maria Becker und Christa Steiert übernommen. Herbert Lucas und Walter Baum dankten den Akteuren im Hintergrund, ohne die ein solches künstlerisches Kleinod nicht so zu bewundern wäre ganz herzlich und der Applaus der Gemeinde unterstrich den Dank der Bubenheimer Bevölkerung.

Quell des Lebens

Die Madonna steht auf einem Fels, aus der eine Quelle entspringt. Sinnbildlich skizzierte Kassung die Figur für die Quelle, die das Dorf Bubenheim über Jahrhunderte mit köstlichem Wasser versorgte, bis in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Wasserversorgung der EVM die Pumpstation überflüssig machte. Maria ist jedoch auch eine Quelle der Kraft und des Lebens, aus der wir auch gerade heute schöpfen können. Sie reicht symbolisch ihrem kleinen Sohn Jesus einen silbernen Becher mit dem lebensnotwendigen Nass. Jesus als der Retter der Menschheit nimmt ihn freudig auch für jeden von uns entgegen. Walter Baum stellte in seiner Ansprache die Frage: „Ist diese Art von Verehrung eigentlich in den von Skandalen erschütterten Kirche noch zeitgemäß?“ Er versuchte eine Antwort in der Bewegung Maria2.0 zu finden: Sie berufen sich unter anderem auf das Magnifikat aus dem Lukas-Evangelium, in dem Maria singt:„Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“  Sie sind davon überzeugt, dass es wirklich eine Form der Selbstermächtigung gibt, so zu feiern und zu tun, wie man das für richtig hält, und nicht zu warten, bis jemand seine Erlaubnis gibt. Die Bewegung ‚Maria 2.0‘ sagt ja auch ganz klar: Wir sind auf der Suche nach neuen Wegen und neuen Strukturen, und ich glaube, dass wir schon ganz woanders sind als vielleicht der Papst oder die Bischöfe sind. Wir haben eine Religion der Befreiung. Wir sind so frei.

So kann uns also auch heute die Frau, die die Mutter Jesu ist, Mut machen! Die Kapelle findet man in Bubenheim In der Flötz direkt hinter der St-Maternu-Kirche, es lohnt sich dort einmal zu verweilen.

Walter Baum Bubenheim – 07.06.2021

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