Bubenheim, der vergessene und ausgebeutete Stadtteil!

Nach dem Bericht der Rhein-Zeitung vom Montag, 25. Mai 2021 über den Beschluss des Stadtrates über die Unterstützung der Koblenzer Vereine muss sich nun einmal der kleine, aber feine Stadtteil Bubenheim öffentlich zu Wort melden: Trotz meines „Brandbriefes“ an den Oberbürgermeister und die Fraktionen des Koblenzer Stadtrates berichtet die Rhein-Zeitung heute Morgen mit keinem einzigen Buchstaben, dass der Stadtteil Bubenheim sich am Donnerstag deutlich und bittend im Stadtrat gemeldet hat und um Hilfe und Unterstützung gebeten hat.

Das kommt uns Bubenheimer wie ein Schlag ins Gesicht vor!

Im Namen des Ortsbeirates Koblenz Bubenheim und im Auftrag von Ortsvorsteher Mike Karen in der Funktion des stellvertretenden Ortsvorstehers und als Vorsitzender des Fördervereins „Gemeindezentrum Bubenheim, sowie im Auftrag des Ortsrings Bubenheim habe ich folgende Stellungnahme abgegeben:

Mit der Beschlussvorlage BV/026/2021 zur Stadtratssitzung Koblenz sind wir in der vorliegenden Form, was den Stadtteil Bubenheim betrifft, nicht einverstanden. Aus den Ausführungen der Tabellen, Stadtplänen und Bemerkungen geht hervor, dass für den Stadtteil Bubenheim speziell keine eigenen Räumlichkeiten in die Planungen aufgenommen werden sollen. Dem widersprechen vorgenannte Gremien und der Förderverein vehement!

Bubenheim ist der in den letzten Jahrzehnten am meist gebeutelte Stadtteil der Stadt Koblenz. In der Bubenheimer Gemarkung entstanden und entstehen Gewerbegebiete und Straßenbau, so dass der Ortskern mittlerweile eine Insellage hat und die Nachbarstadtteile immer schwieriger fußläufig oder per Fahrrad zu erreichen sind. Das Vereinsleben ist nicht nur durch die allgemein zu beobachtende  Veränderung des Gemeinwesens zurückgegangen, sondern ganz speziell auch durch das Fehlen von geeigneten Räumlichkeiten. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre hat sich daher ein Verein zur Errichtung von Gemeinderäumen gebildet, zu dessen Gründungsvätern und Vorsitzenden ich in diesen 30 Jahren gehöre. Wir haben viele Anläufe genommen, haben mit Architekten Pläne ausgearbeitet und immer wieder Oberbürgermeister und Fraktionen angesprochen, wie groß der Bedarf war und ist, immer wieder sind wir vertröstet worden.

Mittlerweile ist ein nicht unbeträchtlicher finanzieller Grundstock entstanden, der mit einem konkreten Vorhaben durch Sponsoren mit Sicherheit auch wesentlich größer werden könnte. Die Hoffnung, die die Bubenheimer Gemeinschaft auf das Grundstück im Bebauungsplan 159 setzen ist daher sehr groß. Der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung , Frank Hastenteufel hat mir persönlich am 17.03.2020 nach einer formlosen Anfrage zu diesem Grundstück mitgeteilt: Baurechtlich liegen mit dem Bebauungsplan 159 „Gewerbegebiet Bubenheim“ die Voraussetzungen für die Errichtung eines Dorfgemeinschaftshauses an der bekannten Stelle vor, so dass es zum jetzigen Zeitpunkt keiner weiteren baurechtlichen Klärung oder einer Bauvoranfrage bedarf. Die abgefragten Dimensionen und Größenordnungen ergeben sich aus den Festsetzungen des Bebauungsplanes und dem Bauordnungsrecht, so dass eine entsprechende Projektierung, die dann im Zuge eines Bauantrages zur Genehmigung vorzulegen ist, möglich erscheint. Dort sind dann auch die übrigen Fragestellungen (Erschließung, Versorgung, Fotovoltaik, Ausgleichsmaßnahmen, Emissionen) gut zu beantworten, so dass es jetzt unmittelbar keiner weitergehenden Anpassungs- oder Planungsschritte seitens der Verwaltung bedarf.

Festzustellen ist, dass in dem tabellarischen Überblick zu den Bedarfen und der Bereitstellung von Räumlichkeiten scheinbar nicht alle der Verwaltung zur Verfügung gestellten Zahlen eingearbeitet wurden. Herr Mannebach hat nur die wenigen Ergänzungen der letzten Umfrage eingearbeitet und die wirklich umfangreiche Datenlage der Treffen mit ihm und die eingereichten Schreiben unseres Ortsvorstehers außer Acht gelassen. Dadurch ergibt sich für uns offensichtlich das Bild des vergessenen und nur ausgebeutetem Stadtteils auf den Karten.

In Bubenheim haben wir schon die verschiedensten Möglichkeiten von Versammlungsräumen erprobt: sei es das Turmzimmer im Glockenturm der St. Maternus-Kirche für die Jugend, das aus baurechtlichen Gründen nicht weitergeführt werden durfte, der marode Bauwagen als Jugendtreff, der große Saal des Letzten Bauernwirts als Kernstück des Vereinslebens, der nicht mehr zur Verfügung steht, die kleine Gymnastikhalle, in der nur Sport ausgeübt werden darf, vom Förderverein Gemeindezentrum angemietete Lagerräume für Vereinsbedarf und vieles mehr.

In der Sitzung hatte ich die Gelegenheit unsere Argumente noch einmal vorzutragen, OB Langner macht aber unmissverständlich klar, dass zur Zeit keine Priorisierung für eine Bubenheimer Lösung in Frage käme. Auch mein Antrag, Bubenheim in die Priorität 1 zu stellen, wenn noch einmal das Programm Stadtdörfer aufgelegt würde, lehnte der OB ab, mit dem Hinweis, dass dann alle ab 1970 eingemeindeten Stadtteile die gleiche Chance hätten, in dieses Programm mit aufgenommen zu werden.

Gemeinschaft lebt vom Ehrenamt, wenn aber Gemeinschaft nicht gelebt werden kann, weil Wohnortnah keine Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass in Zukunft immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung stehen. Auch wir sind ein wichtiges Stück der Stadt Koblenz und wollen nicht nur unseren guten Grund und Boden abgeben, wir erwarten nun auch etwas als Gegenleistung. Der Vorschlag der Stadtverwaltung, ein sogenanntes Dorfgemeinschaftshaus für gleich drei Stadtteile in der Metternicher Gemarkung zu errichten halten wir für absolut nicht zielführend, gerade im Hinblick auf Seniorenarbeit und Jugendarbeit muss der Standort fußläufig im Stadtteil zu erreichen sein. Die Bubenheimerinnen und Bubenheimer werden sich das stiefmütterliche Verhalten der Stadtverwaltung Koblenz und dessen Vertretern nicht mehr gefallen lassen! Außer der Fraktionsvorsitzenden der CDU, Anne Schumann-Dreyer hat kein Vertreter der poltischen Fraktionen auf unser Schreiben reagiert, oder hat sich als Vertreter der Bubenheimer Bürger gezeigt, das zeugt von einem absoluten Desinteresse an unserem Stadtteil. Schade!

Wir werden uns am Samstag 29.05 2021 um 10:45 Uhr an dem Grundstück in der Joseph-Funken-Straße, das auf Beschluss des Stadtrates für den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses oder einer Mehrzweckhalle mit den Vorsitzenden der Bubenheimer Vereine, dem Ortsbeirat und allen Interessierten treffen, um auf die Misere der Bubenheimer Gemeinschaft aufmerksam zu machen! Die Presse ist dazu herzlich eingeladen!

Mit freundlichen Grüßen

Walter Baum Stellvertretender Ortsvorsteher und Vorsitzender des Fördervereins Bubenheimer Gemeindezentrum E.V. – 25.05.2021

4 Kommentare zu "Bubenheim, der vergessene und ausgebeutete Stadtteil!"

  1. Werner Rosenbaum | 26. Mai 2021 um 11:25 | Antworten

    Bravo Walter! Es war aller höchste Zeit dass wir in Bubenheim uns mit äußerst deutlichen Worten zu diesem Thema äußern. Derzeit scheint es tatsächlich so, dass unsere jahrelangen Bemühungen, in irgendeiner Form in Sachen „Dorfgemeinschaftshaus“ voranzukommen, umsonst, sprich: „für die Katz‘ waren. Wie ist es so weit gekommen? Ganz einfach: Bubenheim hat keine Lobby im Stadtrat. Dort – wie auch in der Verwaltung ist man offensichtlich der Meinung, dass man Bubenheim machen kann, was man will. Wenn man sich betrachtet, welche Flächen in der Gemarkung Bubenheim im Laufe der letzten Jahre für Industrie- Dienstleistungs- und Straßen-bauten abgängig sind, dann ist es himmelschreiend frustrierend, wie jetzt – ja, man muss es wohl so ausdrücken – auf allen städtischen Ebenen praktisch gegen unseren Stadtteil entschieden wird. In der maßgeblichen BV (=Beschlussvorlage) wird Bubenheim noch nicht einmal erwähnt. Nichts! Wir, Ortsbeirat, die Bubenheimer Vereine und die gesamte Einwohnerschaft werden uns das so nicht gefallen lassen, da bin ich mir sicher. Ich persönlich jedenfalls fühle mich nach Strich und Faden verarscht – und mit diesem Gefühl bin ich sicherlich nicht alleine!

  2. Seit mehr als 12 Jahren wohnen wir nun in Bubenheim in der Weißenthurmerstr.Leider muss ich feststellen das der Verkehr hier immer größere Ausmase nimmt. Ich habe festgestellt, das in jedem kleinen Ort wo sich ein Kindergarten oder eine Grundschule sich befindet eine 30.Zone eingerichtet ist. Leider beobachten wir hier Täglich das sehr viele Autofahrer es nichtmal für nötig halten sich wenigstens an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten. Desweiteren wäre es angebracht auch die Straßenbeleuchtung auf LED umzurüsten.das spart garantiert einiges an Stromkosten.

  3. Frank Schmitz | 26. Mai 2021 um 20:10 | Antworten

    Ich fühle mich genauso wie Werner Rosenbaum. Nach 14 Jahren in Bubenheim sind mir bzgl. der Behandlung der Stadtteile gewaltige Unterschiede aufgefallen. Ein Beispiel sei die nicht gebaute Brücke am Anwendspfad über die Nordtangente. Der Weg fällt einfach weg. In Metternich wurde eine Fußgänger Brücke gebaut, obwohl in unmittelbarer Nähe schon eine Brücke steht….
    In dieser Zeit hat sich Bubenheim von einem Stadtteil mitten in Feldern zu einem kleinen Dorf mitten in einem Gewerbegebiet mit den entsprechenden Folgen entwickelt. Dies ist für viele eine Belastung, die durch nichts ausgeglichen wird. Man fühlt sich als Bubenheimer wie ein Koblenzer zweiter Klasse. Schade. Da kommen mir Wünsche wie Referendum und Austritt als Stadtteil aus Koblenz…. Ich glaube, dann würde man sich mehr um uns kümmern.

  4. Günther Menne | 26. Mai 2021 um 22:11 | Antworten

    Ich kann die Ausführung von Walter Baum, Werner Rosenbaum und Frauke Schmitz nur unterstützen. Es sollte nun jeder Bubenheimer verstanden haben, das das politische Gremium „Ortsbeirat“ eine mehr als stumpfe Waffe ist, die von der Stadtverwaltung und der Stadtspitze nur zu Alibi-Zwecken genutzt wird. Egal welche vermeintliche Mehrheiten dort in den letzten Jahrzehnten vorherrschten. Die dort engagierten Bürger werden nur zum abnicken benutzt. Selbstkritisch müssen wir uns in Bubenheim und im Ortsring aber auch fragen warum wir bis heute keine vernünftige und durchsetzungsfähige Organisationsform (z.B. einen gewählten Ortsring) geschaffen haben?! Dieser könnte medienwirksam und unpolitisch die Probleme anzeigen und Lösungen vorantreiben. Das politische Leisetreten und der ständige Verweis auf die Verwaltung ist gescheitert! Also lasst uns am Samstag mal klare Flagge zeigen. Ich bin dabei!

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