Flüchtlinge in Bubenheim – Bürger äußeren Bedenken

Anschreiben an der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig,

aus der Presse wurden wir, Bürger aus Koblenz-Bubenheim, darüber informiert, wie es mit der Erstaufnahmeeinrichtung weitergehen soll. Die Artikel „Flüchtlinge: Unterbringung läuft problemlos“ aus der Rheinzeitung vom 21.04.2016 sowie „Ex-Hundeschule als Flüchtlingsheim?“ aus Blick Aktuell vom 26.04.2016 beschreiben, dass das Land die Erstaufnahmeeinrichtung der ehemaligen Hundeschule in Koblenz-Bubenheim der Stadt Koblenz als dauerhafte städtische Einrichtung angeboten hat.

In folgenden Punkten möchten wir Bürger aus Koblenz-Bubenheim unsere Bedenken äußern und auch Fragen an Sie richten.

Laut Aussage von Ihnen soll also die ehemalige Hundeschule ein dauerhaftes Wohnheim für bis zu 800 Flüchtlinge werden! Nach Rücksprache mit Herrn Walter Baum gibt es momentan in der ehemaligen Hundeschule Unterbringungsmöglichkeiten für bis zu 380 Personen. Soll dann die Unterkunft noch weiter ausgebaut werden, sodass bis zu 800 Personen dauerhaft dort wohnen können?

Weiterhin möchten wir Ihre Aussage: „Die Menschen könnten von hier aus zu Fuß ins 300 Meter entfernte Einkaufszentrum gehen und die Bevölkerung ist an die Flüchtlinge gewöhnt, sodass es wohl keine großen Widerstände gibt“, in Frage stellen.

Bisher haben höchstens 300 Menschen in der Unterkunft gewohnt. Die ehemalige Hundeschule ist eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Laut Aussagen von Herrn Volker Grabe und der Leiterin der Erstaufnahmeeinrichtung Katharina Göricke vom DRK benötigen die Flüchtlinge erst einmal sehr viel Ruhe. Nach maximal 3 Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung werden die Flüchtlinge weiter an die Kommunen verteilt. Mehr als ein flüchtiger Kontakt von den Einheimischen zu den Flüchtlingen konnte hier gar nicht entstehen.

Momentane Situation vor Ort

Koblenz-Bubenheim besitzt eine extrem schwache Infrastruktur; ein Tante-Emma-Laden, eine Kirche, ein Kindergarten, eine freiwillige Feuerwehr, ein Brautmodenladen, eine Gaststätte, eine kleine Sporthalle, ein Friseur, der Globus, zwei Spielplätze, ein Bolzplatz und eine Handvoll kleiner Betriebe und Vereine.

Der Stadtteil Bubenheim ist außerdem durch seine geografische Lage vom Stadtzentrum weit entfernt. Wir leiden hier ziemlich unter dem zunehmenden Berufsverkehr, der sich  täglich staut. Über die L127 kann man zwar zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad ins Stadtzentrum kommen, was aber ziemlich gefährlich ist.

Die Bürger aus Bubenheim haben bis jetzt keine Möglichkeit, sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten, es gibt keine! Wo sollen sich dann erst die Flüchtlinge in Bubenheim aufhalten?

Es gibt bis auf die beiden Spielplätze keine öffentlichen Plätze, wo sich die Bürger und auch die Flüchtlinge aufhalten können. Selbst die Fußwege neben Straßen bieten keine Möglichkeiten.

Zukunftsperspektive?

Der Stadtteil Koblenz-Bubenheim hat 1489 Einwohner. Nach der Aussage von Ihnen sollen bis zu 800 Flüchtlinge im zukünftigen Wohnheim untergebracht werden. Nimmt man diese Zahl in Relation zu den Einwohnern, kommt man auf 1,86 Einwohner pro Flüchtling. Durch die stark isolierte Lage im Stadtgebiet (keine direkten Kontaktpunkte nach Metternich oder Rübenach) wäre eine Verteilung auf andere Stadtteile somit fast ausgeschlossen.

Koblenz-Bubenheim hat einen Kindergarten mit bis zu 50 Kindergartenkindern. In der Annahme, dass das Verhältnis auch auf die Flüchtlingskinder zu übertragen ist, würde dies bedeuten, dass zu den 50 Kindern nun noch ca. 27 weitere Kinder hinzukämen. Diese Kapazitäten hätte der kleine Bubenheimer Kindergarten überhaupt nicht. Das Gleiche könnte man auch für die Rübenacher Grundschule berechnen. Auch hier ist es fraglich, ob die Schüler dann dort untergebracht werden könnten. Außerdem würde sich die Frage stellen, ob man diese Kinder überhaupt sinnvoll integrieren könnte. Kann ein dauerhaftes Wohnheim mit bis zu 800 Flüchtlingen überhaupt Grundlage für eine Integration sein?

Wohnheim

Wenn Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden, sollen diese den Flüchtlingen Wohnungen zur Verfügung stellen, womit eine entsprechende Absicherung der Lebensqualität bereitgestellt wird! Kann das Wohnheim mit bis zu 800 Flüchtlingen diese Absicherung der Lebensqualität bieten?

Die ehemalige Hundeschule liegt am Rand des Ortsteiles Bubenheim, direkt an der A48 und direkt an der B9. Ist es überhaupt zulässig so dicht an 2 Hauptverkehrswegen ein dauerhaftes Wohngebiet zu errichten?

Des Weiteren befindet sich direkt gegenüber der ehemaligen Hundeschule die Bitumenfabrik „Eurovia“. Ist es zulässig in der direkten Nähe von Bitumenfabriken ein Wohngebiet zu erschließen?

Ist die ehemalige Hundeschule als Wohnheim überhaupt baulich geeignet dauerhafte Wohnunterkünfte zu bieten?

Wir als Einwohner von Bubenheim haben größte Bedenken gegen Ihre Pläne! Wenn in ganz Koblenz bisher 1500 Asylbewerber untergebracht worden sind und noch 300 Plätze zur Verfügung stehen, warum muss man dann 800 Asylbewerber in dem kleinen Stadtteil Koblenz-Bubenheim unterbringen, der mit dieser hohen Anzahl vollkommen überfordert wäre?

Interessengemeinschaft Bubenheim bubenheim-brief@arcor.de – 10.05.2016
Foto Ditscher

4 Kommentare zu "Flüchtlinge in Bubenheim – Bürger äußeren Bedenken"

  1. Horst Walstein | 11. Mai 2016 um 12:27 | Antworten

    Die Bubenheimer sollten es doch inzwischen gewohnt sein, dass die Stadt ihnen in jeglicher Hinsicht die Lebensqualität raubt. Beispiel: täglicher Verkehrskollaps.

    Was machen da schon ein paar Flüchtlinge mehr aus? Ob 300 oder 800. Die 500 mehr machen den Gaul auch nicht mehr fett.

    Vielleicht senken sich so auch die Grundstückspreise und diverse Eigentumshäuser erleiden eine drastische Wertminderung.

    Aktuell stellt sich einem ohnehin die Frage, warum man in einem Ort wohnen möchte, in den es vor Smog nur so stinkt und der Verkehrslärm so massiv ist, dass man sich als Anwohner mit Sicherheit nicht mehr traut, die Fenster zu öffnen. Bubenheim ist bereits zu einem einzigen Moloch des Durchgangsverkehrs verkommen, so drastisch es auch klingen mag.
    Und die Planungen der Stadt bzgl Flüchtlingsunterkunft setzen dem ganzen die Krone auf.
    Aber keine Sorge: täglich steht ein Dummer Würdenträger auf, der mit Sicherheit neuen Schabernack für die gebeutelten Bubenheimer ausheckt.
    Es gilt Standhaftigkeit zu beweisen liebe Bubenheimer.

    Grüße aus dem Nachbarort
    Horst Walstein

  2. Vielleicht sollte unser Oberbürgermeister in dieser Angelegenheit einmal über die Grenzen unserer Stadt hinausschauen. In Andernach beispielsweise, amtiert ebenfalls ein SPD-Oberbürgermeister, der Ende 2015 in einer Sitzung des Kreistages folgendes gesagt haben muss:

    „Es muss gelingen, die Menschen, die zu uns kommen, zu integrieren, sonst fliegt uns der Laden in 20 Jahren um die Ohren.“

    In der gleichen Kreistagssitzung lobte der Andernacher OB Hütten das von Landrat Saftig (CDU) vorgestellte Konzept, wie man der anstehenden Herausforderung Herr werden könne (RZ vom 19.11.2015).

    Im Hinblick auf Koblenz ist m.E. weniger die Tatsache erstaunlich, dass ein OB der SPD und ein Landrat der CDU auf einer Wellenlänge liegen können, sondern dass man sich im Kreistag des Landkreises Mayen-Koblenz fraktionsübergreifend einig ist, dass man die Bürger nicht überfordern darf. Mit diesen Worten wird im gleichen Artikel der Fraktionsvorsitzende der Kreistags-CDU, Herr Moesta, zitiert.

    Genau diesen Gedanken wirft Herr Oberbürgermeister Hofmann-Göttig nun aber über Bord (sollte er ihn jemals gehabt haben). Mit hunderten Flüchtlingen (dabei ist es unerheblich ob wir von 300, 500 oder eben 800 sprechen), wird ein Ortsteil wie Bubenheim, der aufgrund seiner Lage und Infrastruktur eher als Dorf denn als Stadtteil gesehen werden muss, sicherlich überfordert.

    Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Bürger des Stadtteils Bubenheim Flüchtlingen gegenüber aufgeschlossen ist. Wie deren Integration jedoch gelingen soll, wenn die Unterbringung in einem isolierten, von schwacher Infrastruktur geprägten Stadtteil erfolgen soll, bleibt das Geheimnis unseres Oberbürgermeisters.

    Hinzu kommt, dass die Unterkunft „Hundeschule“ an einem ganz wesentlichen Faktor krankt: Sie liegt ungünstig, nämlich am Rande Bubenheims. Von dort kommt man nicht so ohne weiteres in den Ort, der infrastrukturell wenig bzw. nichts zu bieten hat. Darüber hinaus liegen die Unterkünfte so nahe an einer Industrieanlage, dass Neubauten hier vermutlich verboten wären. Aber wen kümmert’s: Mit den Flüchtlingen kann man es ja machen. Auch so kann man den Vorstoß von Herrn OB Hofmann-Göttig interpretieren.

    Im Ergebnis kann man also festhalten, dass wir – die Bürger der Stadt Koblenz – Flüchtlinge integrieren wollen, indem wir diese Menschen zu Hunderten auf einem Areal in Randlage zusammenbringen, wo kein Deutscher leben möchte oder laut BImschG darf. Fairerweise muss man jetzt sagen, dass die Prüfung gem. BImschG noch aussteht.

    Die Stadt Koblenz ist mit 1.500 oder mehr Flüchtlingen sicher nicht überfordert, wenn es gelingt, diese Menschen so auf das Stadtgebiet zu verteilen, dass sie am kulturellen und gesellschaftlichen Angebot teilnehmen können. Wenn Flüchtlinge unsere zukünftigen Mitbürger werden sollen, müssen wir Ihnen die Chance geben, dass sie unsere Nachbarn werden können. In der ehemaligen Hundeschule sehe ich hierfür keinerlei Möglichkeiten.

    Natürlich ist es einfach, eine Liegenschaft des Landes zu übernehmen. Wirtschaftlich sinnvoll ist es vermutlich ebenfalls (wobei auch das noch zu prüfen wäre). Weitsichtig im Sinne einer funktionierenden Integration ist es jedoch sicherlich nicht. Sollte es tatsächlich so kommen, dass in Bubenheim mehrere Hundert Flüchtlinge dauerhaft untergebracht werden, dann wird die Prognose des Andernacher Oberbürgermeisters eintreten und uns „der Laden in 20 Jahren um die Ohren fliegen.“

  3. René Hendrichs | 12. Mai 2016 um 20:40 | Antworten

    ….eine Frage hätte ich da noch: Wer verbirgt sich hinter der „Interessengemeinschaft Bubenheim“? Im gesamten Netz ist über diese „Gemeinschaft“ nichts zu finden.
    Wenn man die Bürger schon vor seinen Karren spannen möchte, sollte man auch Ross und Reiter nennen.

  4. Wer bitte ist diese „Interessengemeinschaft Bubenheim“ ??
    Bitte mal aus der Anonymität raustreten!!

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